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Reichweitenangst prägte früher das Gespräch über Elektroautos. Nicht mehr. Im Jahr 2026 gehen mehrere neue E-Autos weit über die alte psychologische Grenze hinaus, einige schaffen unter dem WLTP-Zyklus mehr als 800 Kilometer mit einer Ladung. Eines erreicht sogar außergewöhnliche 925 Kilometer. Das ist nicht länger nur wettbewerbsfähig mit Verbrennern. Es ist eine Ansage.
Jahrelang verlangten frühe Elektrofahrzeuge von Käufern Kompromisse. Eine Fahrt im Alltag bedeutete oft, ein Auge auf die Batteriestandsanzeige und das andere auf eine lückenhafte öffentliche Ladekarte zu richten. In großen Teilen Europas und darüber hinaus war das Ladenetz schlicht nicht ausgereift genug, um Langstreckenreisen mit dem E-Auto mühelos wirken zu lassen. Jetzt ändert sich die Lage schnell, getrieben von besserer Batteriezellchemie, schärferem Energiemanagement, effizienteren Motoren und der Verbreitung 800V-Architekturen.
Bemerkenswert ist, dass die größten Zugewinne nicht allein durch größere Batterien erzielt werden. Automobilhersteller finden Reichweite an intelligenteren Stellen: geringerer Luftwiderstand, verbesserte Temperaturkontrolle, leichtere Plattformen und Antriebe, die bei Autobahngeschwindigkeiten weniger Energie verschwenden. Deshalb wirkt die neueste Generation von Langstrecken-Elektroautos wie ein echter technologischer Sprung, statt wie eine bloße Übung auf dem Datenblatt.
Die neuen Reichweiten-Champions
Mercedes-Benz hat mit dem überarbeiteten EQS 450 für Aufsehen gesorgt; er gibt jetzt bemerkenswerte 925 Kilometer WLTP-Reichweite an. Damit ist er das Elektroauto mit der längsten Reichweite in dieser Gruppe und eines der bedeutendsten EV-Benchmarks des Jahres. Noch beeindruckender: Der EQS ist kein komplett neues Modell. Er ist seit 2021 im Verkauf, doch Mercedes hat durch Optimierung des Antriebsstrangs und höhere Effizienz etwa 13 Prozent mehr Reichweite herausgeholt.

Das Facelift des EQS führt außerdem ein neues Zweiganggetriebe ein, ein seltener Schritt in der EV-Welt, der jedoch viel Sinn ergibt. Es hilft dem Fahrzeug bei der Beschleunigung aus dem Stand und reduziert gleichzeitig den Energieverbrauch bei höheren Geschwindigkeiten. Porsche hat den Wert dieses Ansatzes im Taycan gezeigt, und nun nutzt Mercedes die gleiche Idee, um den EQS zum echten Reichweitenkönig zu machen.
- Mercedes-Benz EQS 450
- WLTP-Reichweite: 925 km
- Elektrische Architektur: 800V
- Max. Ladeleistung: 350 kW
- Hauptmerkmal: neues Zweiganggetriebe
BMW belebt auch ein bekanntes Kürzel in ganz neuer Gestalt. Der neue BMW i3 xDrive hat nichts mehr mit dem früheren, eigenwilligen Leichtbau-Stadtwagen aus Carbon zu tun. Diesmal kommt er als elegante, moderne Limousine auf der Neue Klasse-Plattform von BMW, mit einer geschätzten WLTP-Reichweite von 905 Kilometern. Die Leistung wird voraussichtlich bei rund 463 PS liegen, geliefert von BMWs sechster Generation elektrischer Motoren.

BMW hat die genaue Batteriekapazität noch nicht bestätigt, doch die Erwartungen deuten auf ein Paket nahe 108 kWh hin, ähnlich wie beim erwarteten nächsten iX3. Auf dem Papier sieht der neue i3 zumindest wie eine der ernsthaftesten elektrischen Geschäftslimousinen am Horizont aus.
- BMW i3 xDrive
- WLTP-Reichweite: 905 km
- Leistung: 463 PS
- Architektur: 800V
- Max. DC-Ladeleistung: 400 kW
Dann ist da noch der Lucid Air Grand Touring, nach wie vor eines der effizientesten Elektroautos, die man kaufen kann. Seine WLTP-Reichweite von rund 840 Kilometern hält Lucid fest in der Elite. Faszinierend ist, dass der Air dies ohne übermäßig große Batterie erreicht. Lucids Erfolg beruht auf äußerst kompakten, effizienten Antriebseinheiten und einem schlanken aerodynamischen Design, das nur sehr wenig Energie verschwendet.

- Lucid Air Grand Touring
- WLTP-Reichweite: rund 840 km
- Leistung: über 800 PS
- Architektur: 900V
- Schnellladen: bis zu 300 kW
Mercedes taucht wieder auf, diesmal mit dem EQE, dem kleineren und praktischeren Geschwister des EQS. In der Langstreckenversion erreicht der EQE nun etwa 820 Kilometer im WLTP-Testzyklus. Für eine luxuriöse Geschäftslimousine ist das eine herausragende Zahl. Die Formel ist vertraut, aber wirksam: saubere Aerodynamik, bessere Batterietemperaturkontrolle und intelligente Energiesoftware, die leise im Hintergrund arbeitet.

- Mercedes-Benz EQE
- WLTP-Reichweite: etwa 820 km
- Architektur: 800V
- Leistung in Langstreckenversion: rund 300 PS
- Schnellladen: bis zu 350 kW
Volvo wählt einen anderen Weg mit dem EX60 P12, einem Familien-Crossover, der sich wie ein Performance-Fahrzeug verhält. Mit rund 670 PS und einer WLTP-Reichweite von 809 Kilometern kombiniert er beachtliche Leistung mit hoher Alltagstauglichkeit. Volvos neue SPA3-Plattform spielt dabei eine große Rolle. Sie ist leichter, einfacher und basiert auf Cell-to-Body-Batterietechnologie, bei der die Batterie Teil der Fahrzeugstruktur wird. Weniger Gewicht. Mehr Steifigkeit. Bessere Verpackung. Die Branche geht seit einiger Zeit in diese Richtung, und Volvo geht konsequent mit.

Einer der Schlagzeilen ist seine Ladeleistung. Volvo gibt an, dass bereits 10 Minuten Anschlusszeit ungefähr 340 Kilometer Reichweite hinzufügen können. Wenn sich das in realen Bedingungen bestätigt, wird dieses schwedische SUV eines der überzeugendsten Langstrecken-EVs im Angebot sein.
- Volvo EX60 P12
- WLTP-Reichweite: 809 km
- Leistung: 670 PS
- 0 bis 100 km/h: 3,7 Sekunden
- Schnellladen: 400 kW
Auch BMWs nächste Generation des iX3 verdient Aufmerksamkeit. Dies ist eines der wichtigsten kommenden elektrischen SUVs der Marke, und es scheint bereit, Alltagstauglichkeit mit führender Ladeleistung zu verbinden. BMW sagt, der neue iX3 werde 400 kW Laden unterstützen und einen Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent in nur 21 Minuten abschließen. Die offizielle WLTP-Reichweite liegt bei 805 Kilometern.

Natürlich gibt es einen Haken. Ultra-hochleistungsfähige Ladepunkte sind in vielen Märkten noch nicht flächendeckend verfügbar, sodass das Fahrzeug eventuell vor der Infrastruktur marktbereit ist. Dennoch zeigt die Technologie, wohin sich Premium-EVs entwickeln.
- BMW iX3
- WLTP-Reichweite: 805 km
- Architektur: 800V
- Schnellladen: 400 kW
- Ladezeit 10 bis 80 Prozent: 21 Minuten
Der BMW i7 eDrive50 beweist etwas anderes: Luxus muss nicht zulasten der Reichweite gehen. Diese vollelektrische Limousine bietet rund 800 Kilometer WLTP-Reichweite und umgibt die Passagiere mit einem der leisesten und luxuriösesten Innenräume auf dem Markt. Riesiger Bildschirm im Fond, fortschrittliches Audiosystem, aktive Luftfederung. Es fühlt sich weniger wie Transport und mehr wie eine private Lounge an, die sich bewegt.

- BMW i7 eDrive50
- WLTP-Reichweite: etwa 800 km
- Leistung: 450 PS
- 0 bis 100 km/h: rund 5,5 Sekunden
- Batteriekapazität: etwa 105 kWh
Der Polestar 3 ist vielleicht zurückhaltender, aber das gehört zu seinem Reiz. Die Langstrecken-Einzelmotor-Version liefert etwa 760 Kilometer WLTP-Reichweite, ein sehr starkes Ergebnis für ein großes SUV. Er verbindet skandinavische Minimalistik, solide Verarbeitungsqualität und die Einfachheit von Heckantrieb in einem Paket, das in einem Markt, der vom Übermaß besessen ist, zunehmend gut getroffen wirkt.

- Polestar 3 Long Range
- WLTP-Reichweite: etwa 760 km
- Leistung: etwa 300 PS
- Batteriekapazität: 111 kWh
- Antrieb: Einzelmotor, Heckantrieb
Der Audi A6 Sportback e-tron Performance bewegt sich im gleichen Bereich und bietet ebenfalls rund 760 Kilometer WLTP-Reichweite. Er gehört zu den optisch attraktivsten EV-Limousinen in diesem Segment, doch er ist mehr als nur eine schöne Form. Die geteilte PPE-Plattform mit Porsche, kombiniert mit hervorragender Aerodynamik und einem 800V-System, verleiht dem A6 e-tron die Effizienz und Ladefähigkeiten, die sein Design untermauern.

- Audi A6 Sportback e-tron Performance
- WLTP-Reichweite: etwa 760 km
- Leistung: etwa 380 PS
- Architektur: 800V
- Schnellladen: bis zu 270 kW
Und dann gibt es noch den Mercedes EQS SUV, den Ausreißer, der sich weigert, sich wie ein typisches SUV zu verhalten. Normalerweise fressen höhere Karosserien und zusätzliches Gewicht Reichweite. Hier schafft Mercedes dennoch etwa 740 Kilometer mit dem EQS SUV 450+, eine Zahl, mit der viele elektrische Limousinen gerne aufwarten würden.

- Mercedes-Benz EQS SUV 450+
- WLTP-Reichweite: etwa 740 km
- Leistung: 355 PS
- Batteriekapazität: 118 kWh
- Schnellladen: bis zu 200 kW
Tesla ist nicht mehr allein an der Spitze
Vielleicht die deutlichste Veränderung 2026 ist nicht nur, dass sich die EV-Reichweite verbessert hat. Es ist, dass Tesla dieses Thema nicht mehr automatisch dominiert. Wettbewerber wie Mercedes, BMW, Lucid, Audi, Volvo und Polestar erreichen inzwischen die gleiche oder bessere Reichweite, Ladegeschwindigkeit, Innenraumqualität und in manchen Fällen auch Batterietechnik als Tesla.
Das heißt nicht, dass Tesla seine Stärken verloren hat. Ganz im Gegenteil. Die Software bleibt eine der besten der Branche, die Energieeffizienz ist weiterhin sehr konkurrenzfähig, und das Ladenetzwerk ist in vielen Regionen ein großer Vorteil. Aber der Markt ist gereift. Andere Marken holen schnell auf, und in einigen Bereichen sind sie bereits voraus.

Elektroautos sind nicht mehr nur Stadtwerkzeuge. Die besten unter ihnen erreichen jetzt 800 oder sogar 900 Kilometer mit einer Ladung, und das verändert das Besitzverhältnis vollständig.
Der eigentliche Durchbruch beruht nicht auf einer einzelnen Komponente. Es ist die Kombination mehrerer Fortschritte, die gleichzeitig zusammenkommen:
- 800V elektrische Architekturen
- Effizientere Elektromotoren
- Fortschrittliche Aerodynamik
- Intelligente Energiemanagement-Software
- Neue Batteriezellentechnologien
Ein hartnäckiges Problem bleibt jedoch: die Ladeinfrastruktur. Ein Auto, das 350 kW oder 400 kW laden kann, erfüllt sein volles Versprechen nur, wenn der passende Ladepunkt tatsächlich vorhanden ist. An zu vielen Orten holt dieser Teil der Zukunft noch auf.
Dennoch ist die Richtung eindeutig. Die Ära, in der EV-Käufer sich für die Reichweite entschuldigen mussten, ist vorbei. Im Jahr 2026 machen die Elektroautos mit der längsten Reichweite keine Ausreden. Sie geben den Takt vor.
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