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Huaweis Comeback: Erfolgreich trotz US-Beschränkungen
Als Huawei und ZTE in einem Entwurf des Intelligence Committee des US-Repräsentantenhauses 2012 als nationale Sicherheitsrisiken bezeichnet wurden, markierte das den Beginn zunehmender Spannungen, die 2019 in der Aufnahme Huaweis in die US Entity List gipfelten. Die Einstufung zwang US-Lieferanten dazu, vor dem Export von "U.S.-origin"-Technologie an Huawei eine Regierungsgenehmigung einzuholen und schnitt das Unternehmen von wichtigen Software‑ und Hardwarepartnern ab – am deutlichsten sichtbar bei Google und beim Zugang zu bestimmten fortschrittlichen Chips.
Die unmittelbaren Folgen umfassten den Verlust des proprietären Google‑Android‑Erlebnisses (Play Store und Google‑Apps), obwohl Huawei weiterhin Geräte auf Basis des Open‑Source‑Android ausliefern konnte. Huawei verfolgte jedoch einen anderen Kurs: Das Unternehmen verstärkte den Aufbau eines unabhängigen mobilen Ökosystems und arbeitete gezielt an der Widerstandsfähigkeit seiner lokalen Lieferkette.
Wie Huawei Google ersetzte und seinen Stack neu aufbaute
Im Jahr 2021 führte Huawei Huawei Mobile Services (HMS) und den AppGallery‑Store ein und positionierte diese als Säulen eines mobilen Ökosystems, das ohne US‑Abhängigkeiten funktionieren kann. HarmonyOS entwickelte sich von einem Notfall‑Betriebssystem zu einer Plattform, die auf Huaweis Hardware optimiert ist, mit nahtloser Geräte‑Vernetzung, nativer App‑Unterstützung und wachsender Entwicklerakzeptanz – besonders innerhalb Chinas.
Produktmerkmale und Komponenten des Ökosystems
- HarmonyOS: Integration mehrerer Geräte, optimierte, schlanke Benutzeroberfläche und alternative App‑Frameworks zur Erleichterung der Entwickler‑Migration.
- AppGallery & HMS: Regionale App‑Distribution sowie Zahlungs‑ und Cloud‑Dienste, zugeschnitten auf chinesische und internationale Partner.
- Mate‑Serie Hardware: Hochentwickelte Kameras, eigene Kirin‑Chipsätze und enge Software‑Hardware‑Synergien.
Chip‑Comeback: Kirin 9000S und die Rückkehr von 5G
Vielleicht das sichtbarste Zeichen für Huaweis Widerstandsfähigkeit erschien im August 2023 mit dem Mate 60 Pro. Erstmals seit 2020 wurde ein Huawei‑Flaggschiff mit einem hausinternen AP ausgeliefert: dem Kirin 9000S. Bei SMIC auf einem 7nm‑ähnlichen Fertigungsprozess hergestellt, brachte der Chipsatz erneut 5G‑Unterstützung in ein Huawei‑Gerät – eine Überraschung für die Branche, die sowohl die Fortschritte der chinesischen Foundrys als auch Huaweis Fähigkeit, leistungsfähiges Silizium trotz Exportkontrollen zu beziehen, zeigte.

Vergleich: Kirin vs Qualcomm (und Google‑abhängige Modelle)
Während Qualcomm‑ und Google‑unterstützte Android‑Geräte weiterhin Vorteile bei globaler App‑Kompatibilität und im Entwickler‑Ökosystem haben, bieten Kirin‑betriebene Huawei‑Smartphones eine enge Verzahnung von Hardware und Software sowie starke On‑Device‑Funktionen. Außerhalb Chinas schränkt das Fehlen von Google‑Diensten weiterhin die Marktreichweite ein, doch in Inlands‑ und Partner‑Märkten ist Huaweis Stack zunehmend wettbewerbsfähig.
Vorteile, Anwendungsfälle und Marktrelevanz
Vorteile: Unabhängigkeit der Lieferkette, Co‑Design von Hardware und Software, verbesserte nationale Halbleiterfähigkeiten sowie eine strategische Positionierung für KI‑ und IoT‑Einsätze. Die Anwendungsfälle reichen von Verbraucher‑Smartphones über unternehmensbezogene 5G‑Anwendungen bis hin zu geräteübergreifenden Ökosystemen in Smart Homes und der Fahrzeugintegration.
Marktrelevanz: Huawei führte im zweiten Quartal 2020 noch die weltweiten Smartphone‑Lieferungen an. Sanktionen brachten diese Marktführerschaft ins Wanken, doch die strategische Neuausrichtung auf HarmonyOS, HMS und eigene Silizium‑Entwicklung zeigt einen plausiblen Weg zurück zu Wachstum – insbesondere in China und in Regionen, die weniger von Google‑Diensten abhängig sind. Unternehmensverantwortliche argumentieren, dass diese Strategie China helfen wird, die Entwicklung von KI‑Anwendungen zu beschleunigen, indem große inländische Datensätze und vielfältige Geschäftsszenarien genutzt werden.
Herausforderungen bleiben: eingeschränkter Zugang zu einigen fortschrittlichen westlichen Werkzeugen, anhaltender geopolitischer Druck und langsamere Adoption in Europa und Nordamerika wegen des Fehlens der Google Play‑Dienste. Dennoch ist Huaweis Erholung ein lehrreiches Beispiel für technologische Resilienz, nationale Industriepolitik und den strategischen Wert vertikaler Integration in mobilen Plattformen.
Quelle: phonearena
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