Musk, Boring-Unternehmen und das Hyperloop-Versprechen

Elon Musks Behauptungen zum Hyperloop und die Bilanz des Boring-Unternehmens stehen im starken Kontrast zu Chinas realem Hochgeschwindigkeitsnetz. Der Artikel analysiert Kosten, Technik, Risiken und die politische Umsetzung.

Tim Becker Tim Becker . Kommentare
Musk, Boring-Unternehmen und das Hyperloop-Versprechen

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Elon Musk hat nie gezögert, kühne Behauptungen aufzustellen, doch diese fiel besonders deutlich aus. Am Donnerstag, nachdem neue Berichte über die stark verzögerte Hochgeschwindigkeitsbahn Kaliforniens und mögliche Kosten von 126 Milliarden Dollar erschienen waren, mischte Musk sich auf X in die Debatte ein, mit der ihm vertrauten Mischung aus Überheblichkeit und Provokation.

Als ein Nutzer vorschlug, das Geld stattdessen besser für subventionierte kostenlose Flüge zwischen Los Angeles und San Francisco über Jahrzehnte auszugeben, ging Musk noch weiter. Er sagte, das Boring-Unternehmen könne einen Hyperloop-Tunnel zwischen dem Stadtzentrum von San Francisco und dem von Los Angeles für weniger als fünf Prozent dieser Summe bauen und nannte ihn ein technologisches Wunder, das jedes Hochgeschwindigkeitsbahn-System der Erde übertreffen würde.

Die Idee klingt großartig. Das Problem ist, dass sie weitgehend in Musks Vorstellung existiert.

Der Hyperloop, das Vakuumrohr-Transitkonzept, das einst Hype im Silicon Valley auslöste, wird seit Langem von Ingenieuren und Verkehrsexperten als unpraktisch, teuer und potenziell unsicher kritisiert. Als man Musk jedoch fragte, warum das Boring-Unternehmen nicht bereits etwas annähernd dieser Vision geliefert habe, verwies er nicht auf technische Hindernisse, sondern auf eines seiner Lieblingsziele: Bürokratie.

Laut Musk gehe es bei Kaliforniens Bahnsprojekt weniger darum, Menschen zu befördern, sondern vielmehr darum, Geld durch Berater, Gewerkschaften und öffentliche Stellen zu leiten. Diese Anschuldigung ist dramatisch und in einigen Fällen nicht völlig losgelöst von den tatsächlichen Frustrationen, die große Infrastrukturprojekte in den Vereinigten Staaten begleiten. Die Hochgeschwindigkeitsstrecke Kaliforniens ist seit Jahren verzögert, die Kosten sind weit über die ursprünglichen Schätzungen gestiegen und der Fortschritt bewegt sich in sehr langsamem Tempo.

Dennoch wird Musks Vergleich mit China dort besonders schwer zu überhören. Seit Kalifornien 2008 seine Strecke von Los Angeles nach San Francisco genehmigte, wurden dort erst etwa 80 Meilen (≈129 km) Schienen verlegt. Im gleichen Zeitraum hat China mehr als 23.500 Meilen (≈37.830 km) an Hochgeschwindigkeitsstrecken gebaut und damit eines der fortschrittlichsten und umfangreichsten Netze der Welt geschaffen. Seine Züge erreichen routinemäßig Geschwindigkeiten von über 210 Meilen pro Stunde (≈338 km/h). Das ist keine Marketingfloskel. Das ist ernsthafte Ingenieursarbeit.

Und dennoch behauptet Musk, sein Boring-Unternehmen könne es besser.

Das Problem ist, dass die tatsächliche Bilanz des Boring-Unternehmens diese Zuversicht nicht stützt. Musk versprach 2022, dass in den kommenden Jahren ein funktionierender Hyperloop gebaut werde, doch ein solches Projekt hat noch keinen Baubeginn erlebt. Das sichtbarste Vorhaben des Unternehmens bleibt der Vegas Loop, ein Tunnelsystem, das Passagiere in Tesla-Fahrzeugen durch ein begrenztes unterirdisches Netz unter Las Vegas befördert.

Selbst dieses Projekt weist nach globalen Verkehrsmaßstäben bescheidene Zahlen auf. Dem Boring-Unternehmen zufolge wurden angeblich nur 2,1 Meilen (≈3,4 km) fertiger Tunnel und insgesamt 2,4 Meilen (≈3,9 km) gebaut. Die angegebenen Fixkosten liegen bei 47 Millionen Dollar, also etwa 22 Millionen Dollar pro Meile. Auf dem Papier mag das effizient erscheinen. In der Praxis ist es ein kleinskaliges System, das Fahrzeuge durch enge Tunnel mit begrenzten Geschwindigkeiten transportiert, nicht ein Nahverkehrsnetz, das die Reiseweise von Millionen von Menschen verändert.

Der Vergleich mit Chinas Hochgeschwindigkeitsnetz verschärft den Kontrast nur. The Economist berichtete 2017, dass China rund 360 Milliarden Dollar für den Bau von 13.670 Meilen (≈21.990 km) Schienen ausgegeben habe, also etwa 26 Millionen Dollar pro Meile. Diese Zahl liegt im gleichen groben Bereich wie die Tunnelkosten des Vegas Loop, doch das Ergebnis ist völlig unterschiedlich. China erhielt ein nationales Schienennetz, das enorme Passagierzahlen mit Hochgeschwindigkeitszug-Geschwindigkeiten befördert. Das Boring-Unternehmen erhielt einen Nischen-unterirdischen Shuttledienst mit Teslas, die sich noch nicht vollständig autonom fahren.

Dieser letzte Punkt ist wichtig. Trotz jahrelangem Hype um Autonomie haben die Fahrzeuge in laufenden Tests offenbar selbst auf spurgeführten Strecken Schwierigkeiten, die die Aufgabe eigentlich erleichtern sollten. Wenn Musk also davon spricht, ein System zu bauen, das jede Hochgeschwindigkeitsstrecke der Welt überstrahlen würde, ist Skepsis die natürlichste Reaktion.

Große Versprechen gehören zu Musks Marke. Manchmal äußern sie sich in Raketen, Elektroautos oder Satellitennetzen. Manchmal äußern sie sich als Tunneltäume, die eher wie eine herübergeworfene Herausforderung an der Bar klingen als wie ein realistisches Verkehrsprojekt. Aktuell deuten die Belege darauf hin, dass Chinas Bahningenieure bereits die schwere Arbeit geleistet haben, während das Boring-Unternehmen noch versucht zu beweisen, dass es mehr kann, als ein paar Meilen Tunnel zu bohren und Schlagzeilen zu machen.

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