5 Minuten
Die Verbindung zwischen Ozeannähe und Langlebigkeit im Fokus
Immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Umgebung, in der wir leben, einen entscheidenden Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Lebensalter hat. Zwar gelten Aspekte wie Ernährung, Bewegung oder soziale Beziehungen als bewährte Faktoren für ein langes Leben, doch aktuelle Erkenntnisse legen nahe, dass auch die Nähe zum Meer eine bedeutsame Rolle spielen könnte, wenn es um die Lebenserwartung geht.
In einer umfangreichen Studie analysierten Forschende der Ohio State University die Volkszählungsdaten von 66.263 Personen. Ziel dabei war es, Zusammenhänge zwischen der Nähe zu Gewässern – insbesondere zum Meer – und der durchschnittlichen Lebensdauer aufzudecken. Die Untersuchung basiert auf dem Konzept der sogenannten „Blue Spaces“, welches sichtbare Gewässer wie Ozeane, Seen oder Flüsse einschließt. Vorangegangene Arbeiten hoben bereits den positiven Einfluss von Blue Spaces auf die Psyche hervor. Nun beleuchtet diese Studie auch deren Wirkung auf die körperliche Langlebigkeit.
Zentrale Ergebnisse: Küstenbewohner versus urbane Binnengewässer
Die Forscher der Ohio State University fanden überzeugende Hinweise darauf, dass Menschen, die in Küstennähe leben, im Schnitt älter werden als Stadtbewohner, die an Flüssen oder Seen wohnen. Die ausgewerteten Daten zeigten, dass das durchschnittliche Lebensalter an der Küste im Minimum ein Jahr über dem nationalen Durchschnitt von 79 Jahren lag. Bürger aus städtischen Gebieten im Landesinneren, die an Seen oder Flüssen wohnen, erreichten dagegen eine Lebenserwartung von etwa 78 Jahren.
Umweltgesundheitswissenschaftler Jianyong Wu, einer der Hauptautoren der Studie, erläuterte: "Im Allgemeinen wurde für Küstenbewohner erwartet, dass sie mindestens ein Jahr länger leben als die durchschnittlichen 79 Jahre, wohingegen Menschen in urbanen Regionen nahe Binnengewässern tendenziell rund bei 78 Jahren lagen."
Obwohl die Korrelation deutlich ist, beweist sie keine unmittelbare Ursache-Wirkung-Relation. Wahrscheinlich spielen verschiedenste Umweltbedingungen und auch sozioökonomische Aspekte eine Rolle, sodass weitere Untersuchungen notwendig bleiben.

Mögliche Gründe für den Vorteil am Meer
Die Wissenschaftler identifizierten mehrere Faktoren, die für den Zusammenhang zwischen der Nähe zur Küste und einem langen Leben verantwortlich sein könnten. Generell profitieren Küstenregionen von einem gemäßigten Klima, weniger extremen Temperaturen und oft besserer Luftqualität im Vergleich zu vielen Stadtgebieten. Zudem ist der Zugang zu Freizeit- und Outdoor-Aktivitäten in Meeresnähe meist größer, was aktivere und gesündere Lebensweisen begünstigen kann.
Zudem könnten wirtschaftliche Faktoren eine Rolle spielen: Immobilien an der Küste sind häufig teurer, wodurch diese Gebiete oft von Menschen mit besseren Möglichkeiten im Bereich Gesundheitsversorgung und anderen ressourcenförderlichen Aspekten bewohnt werden.
Rurale versus urbane Binnengewässer und ihre Effekte
Die Untersuchung differenzierte zudem zwischen ländlichen und städtischen Bewohnern an Binnengewässern. In ländlichen Regionen, die an Seen oder Flüssen liegen, zeigte sich ein leichter Anstieg der Lebenserwartung, allerdings war dieser nicht so ausgeprägt wie an der Küste. In Städten hingegen gingen mögliche gesundheitliche Vorteile sogenannter Blue Spaces durch Faktoren wie Umweltbelastung und Lebensstil scheinbar verloren.
Die ökologische Geografin Yanni Cao, eine Mitautorin, stellte fest: „Verschmutzung, Armut, fehlende sichere Bewegungsmöglichkeiten und das höhere Risiko von Überschwemmungen sind vermutlich maßgebliche Ursachen für diese Unterschiede.“
Bedeutung der Ergebnisse und Ausblick
Mit diesen Forschungsergebnissen werden die komplexen Wechselwirkungen zwischen natürlicher Umgebung und menschlicher Gesundheit besonders deutlich. Obwohl die positiven Effekte von Blue Spaces vielfach belegt sind, scheinen Urbanisierung und städtische Belastungen viele davon abzuschwächen oder gar umzukehren. Die Resultate untermauern die grundlegende Hypothese, dass Natur zentral für unsere Gesundheit ist, zeigen aber auch, wie sehr soziale Ungleichheit und Umweltstressoren in den Städten die Ergebnisse beeinflussen können.
Es sind weitere Studien erforderlich, um die genauen Mechanismen herauszufinden, durch die Meeresnähe zu einem längeren Leben beiträgt. Ebenso wäre es sinnvoll zu erforschen, wie urbane Gemeinden an Binnengewässern vergleichbare Vorteile erzielen könnten.
Fazit
Mit ihrer Studie liefert die Ohio State University einen wertvollen Beitrag zur Umweltgesundheitsforschung und weist einen bedeutsamen Zusammenhang zwischen Meeresnähe und längerer Lebenserwartung nach. Die einzigartigen Vorzüge des Lebens an der Küste – milderes Klima, sauberere Luft und vielfältige Freizeitmöglichkeiten – bieten offenbar gesundheitliche Vorteile, die Einwohner urbaner Gebiete an Binnengewässern seltener erleben. Diese Erkenntnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, natürliche Räume in Stadtentwicklung und Gesundheitsstrategien einzubeziehen und bestätigen eindrucksvoll, wie sehr unsere Umwelt Gesundheit und Lebensdauer beeinflusst.
Quelle: sciencedirect
Kommentare