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China treibt Pläne für Stablecoins auf Basis des Renminbi voran
Berichten zufolge intensiviert China seine Bemühungen, Stablecoins einzuführen, die an den chinesischen Renminbi gekoppelt sind, um die Vorherrschaft des US-Dollars im digitalen Währungssektor herauszufordern. Laut einem aktuellen Bericht der Financial Times berichten Regierungsvertreter und Branchenexperten, dass diese Initiative Teil einer übergeordneten Strategie ist, ein stärkeres Gegengewicht zu bereits existierenden, am Dollar orientierten Kryptowährungen wie Tether (USDT) und USD Coin (USDC) von Circle zu schaffen.
Dieses Engagement erfolgt zu einer Zeit, in der Stablecoins weltweit immer mehr Aufmerksamkeit gewinnen, die globale Finanzlandschaft verändern und die Art und Weise, wie internationale Transaktionen über Blockchain-Technologie abgewickelt werden, neu definieren.
Strategische Überlegungen und regulatorische Zurückhaltung
Chinas Bestreben, einen staatlichen Stablecoin zu etablieren, geht weit über Fortschritt und Modernisierung hinaus: Es steckt ein geopolitisches Kalkül dahinter. Die Verantwortlichen in Peking möchten sich verstärkt von traditionellen internationalen Zahlungssystemen wie SWIFT lösen – unter anderem aufgrund der Sorge, im Falle verschärfter geopolitischer Auseinandersetzungen mit den USA den Zugang zu solchen Netzwerken zu verlieren.
In den vergangenen zwei Monaten haben chinesische Finanzaufseher Fachleute zusammengerufen, um die Möglichkeiten und Voraussetzungen für die Einführung, Regulierung und Erprobung von Stablecoins auf Renminbi-Basis zu beraten. Experten warnen allerdings, dass die dezentrale Funktionsweise vieler Stablecoins im Widerspruch zu Chinas streng kontrolliertem Finanzsystem stehen könnte.
Ein Gesprächsteilnehmer, der mit den Beratungen vertraut ist, betonte, dass jedes von der Regierung genehmigte Stablecoin-Projekt „besondere nationale Bedingungen“ erfüllen müsse. Dies verdeutlicht, dass China zwar offen für die neuen digitalen Finanzprodukte ist, aber wohl erhebliche Einschränkungen vornehmen wird, um bestehende Überwachungs- und Kapitalkontrollmechanismen sicherzustellen.
Kapitalkontrolle und Bedenken bezüglich Compliance
Die chinesische Zentralbank betrachtet den Stablecoin-Trend weiterhin mit Vorsicht, insbesondere im Hinblick auf potenzielle Kapitalflucht und illegale Aktivitäten wie Geldwäsche. Seit dem umfassenden Verbot von Kryptowährungstransaktionen und -mining im September 2025 verfolgt China das Ziel, ein abgeschlossenes und kontrolliertes Finanzsystem aufrechtzuerhalten. Somit bleibt offen, wie sich ein Stablecoin, der auf dem Yuan basiert, in dieses streng regulierte Währungsumfeld einfügen – oder es gar stören – könnte.
Rebecca Liao, CEO der Blockchain-Infrastruktur-Firma Saga, weist darauf hin, dass „Stablecoin-Technologie nicht zentral gesteuert werden kann.“ Das stellt die Behörden in Peking vor ein Dilemma: Sie möchten den digitalen Zahlungsverkehr überwachen oder beschränken, könnten aber letztlich genau das nicht gewährleisten. „Werden Investitionen in diese Technologie getätigt, wird sie auch in Bereiche vordringen, die den Machthabern missfallen“, sagte Liao gegenüber der Financial Times.
Wettlauf um Stablecoins: Chinas FOMO nimmt zu
Die Dringlichkeit auf Seiten Chinas wird durch Fortschritte in den Nachbarregionen weiter verstärkt. So hat die Einführung des Stablecoin Ordinance-Gesetzes in Hongkong einen regelrechten Boom an Lizenzanträgen führender Unternehmen wie JD.com, Animoca Brands und Standard Chartered zur Ausgabe von Stablecoins ausgelöst.
Auch Technologie- und Digitalfirmen aus China selbst beteiligen sich zunehmend am Wettbewerb um Lizenzierungen für Stablecoin-Emissionen, während sich die regulatorischen Rahmenbedingungen weiterentwickeln. Trotz wachsender Begeisterung wird laut vertrauten Quellen jedoch vorerst nur einer der vier größten, staatlichen Banken Chinas in der ersten Zulassungsphase von der Hongkonger Geldaufsichtsbehörde (HKMA) eine Stablecoin-Lizenz erhalten.
Bisher hat die HKMA die Möglichkeit, Stablecoins direkt mit Renminbi-Besicherung zu genehmigen, nicht ausgeschlossen. Diese offene Haltung könnte innovative grenzüberschreitende Digitalwährungsprojekte fördern, zumal Hongkong sich zu einem Experimentierfeld für Krypto-Regulierung in der Region entwickelt.
Internationale Konkurrenz: USA und Südkorea ziehen nach
Die regulatorischen Diskussionen in China finden parallel zu weltweiten Entwicklungen statt. In den Vereinigten Staaten zielt der vorgeschlagene GENIUS Act darauf ab, einen verbindlichen Regulierungsrahmen für Stablecoins mit Dollar-Deckung zu schaffen. Gleichzeitig arbeitet Hongkong an einem eigenen Stablecoin-Gesetz.
Auch Südkorea steigt mit ein: Unternehmen wie KakaoBank und NaverPay bekunden ihr Interesse an der Emission von Stablecoins, die auf den Won lauten. Mit fanC und Initech haben bereits zwei Anbieter erste auf dem Won basierende Stablecoins getestet – ein vollständiger Marktstart steht jedoch noch aus.
Ausblick: Wird China im Stablecoin-Sektor führend?
Angesichts der wachsenden internationalen Konkurrenz muss China einen Mittelweg finden. Das Ziel, einen Stablecoin mit Renminbi-Bindung zu etablieren, unterstreicht das Bestreben, eine Führungsrolle im aufkommenden Krypto-Markt einzunehmen. Ob dieser Plan aufgeht, hängt davon ab, ob China erfolgreich regulatorische Kontrolle, finanzielle Stabilität und technologische Innovationskraft miteinander in Einklang bringen kann – denn genau das verlangt der globale, Blockchain-getriebene Finanzmarkt.
Quelle: crypto
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