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Ein Blick auf Dodges Vergessenes Meisterwerk: Das Turbo Charger Konzeptfahrzeug
Die Marke Dodge ist seit jeher ein Inbegriff für amerikanische Muscle-Cars. Doch Anfang der 1980er-Jahre wagte das Unternehmen einen noch ambitionierteren Schritt nach vorne. Der Dodge Turbo Charger Concept verkörperte diesen Pioniergeist – ein bahnbrechender Sportwagen, seiner Zeit weit voraus, der weiterhin unter Automobil-Fans weltweit für leidenschaftliche „Was wäre wenn?“-Diskussionen sorgt. Obwohl dieses Einzelstück nie in Serie produziert wurde, kommt es nun zur Versteigerung und bietet Sammlern die einmalige Gelegenheit, ein fast vergessenes Stück Automobilgeschichte aus Dodges Entwicklungsetagen zu erwerben.
Innovationsgeist und Risikofreude der 1980er-Autobranche
Die frühen 80er waren für Detroit's „Big Three“ – General Motors, Ford und Chrysler (die Konzernmutter von Dodge) – eine Phase grundlegender Veränderung. Strengere Auflagen, ein sich wandelnder Geschmack der Kundschaft und zunehmend starke Konkurrenz aus Japan sorgten für einen gewaltigen Umbruch im US-Automarkt. Inmitten dieses Wandels setzte sich Dodge das Ziel, nicht nur mithalten, sondern auch mit neuen Technologien und mutigem Design die eigene Identität völlig neu zu interpretieren. Das Ergebnis war der herausragende Dodge Turbo Charger: Ein Konzeptfahrzeug, wie man es zuvor auf amerikanischen Straßen nie gesehen hatte, konzipiert als Vision eines künftigen, turboaufgeladenen US-Performancewagens.
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Formensprache: Fortschrittliches Design, Seiner Zeit Voraus
Entstanden unter Dodges Special Vehicles Engineering-Team fiel der Turbo Charger Concept sofort ins Auge. Die flache, spitz zulaufende Front, bündig eingepasste Scheinwerferabdeckungen und ein ausgeprägter Frontspoiler sorgen für optimale Aerodynamik – alles ausgelegt auf minimale Luftwiderstände und hohe Fahrstabilität. Am Heck setzt ein auffälliger Spoiler und ein markanter Diffusor optische Akzente, die zugleich den Abtrieb maßgeblich verbessern; Features, wie man sie sonst eher bei europäischen Exoten, aber selten bei amerikanischen Autos der damaligen Zeit fand. Ein Vergleich mit dem Alpine A310 der 1970er-Jahre drängt sich auf, dennoch bestach der Turbo Charger durch eine ganz eigene Linienführung und kräftige Proportionen.
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Interieur: Motorsport-Feeling im Cockpit
Auch im Innenraum wurde der Rennsport-Spirit konsequent umgesetzt. Sportsitze von Recaro mitsamt RJS-Gurten, Überrollkäfig und eine von elf Einzelinstrumenten bestückte Armaturentafel schufen ein vom Flugzeugbau inspiriertes Cockpit-Ambiente. Jede Komponente, vom durchgehenden Anzeigenfeld bis hin zum puristisch-funktionalen Layout, verdeutlicht: Dieses Konzeptfahrzeug war weit mehr als eine optische Studie – es diente als rollendes Versuchsfeld für innovative Technik.
Technische Daten: Leistung unter der Haube
Das Herzstück des Dodge Turbo Charger Concepts ist ein aufgeladener 2,2-Liter-Vierzylinder-Turbomotor. Kombiniert mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe wurde die Kraft – entgegen der sonstigen Dodge-Philosophie jener Epoche – auf die Hinterachse übertragen. Die Leistung betrug 142 PS (144 metrische) und 217 Nm Drehmoment, was zwar nicht revolutionär anmutet, doch bedeutend waren vor allem das komplett neu abgestimmte Fahrwerk, eine verbreiterte Spur, spezielle Stoßdämpfer und Stabilisatoren, verbesserte Bremsanlagen sowie effiziente NACA-Einlässe zur optimalen Kühlung. Diese Fahrwerksmodifikationen bewiesen den ernsthaften Performance-Anspruch.
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Die Gründe fürs Serien-Aus: Vision gegen Marktzwänge
Obwohl das Fahrzeug beim Debüt etwa als Pace-Car der PPG Indy Car World Series 1981–1982 hohe Aufmerksamkeit erzielte, verhinderten letztlich finanzielle und organisatorische Hürden die Serienfertigung. Zu teuer, zu komplex: Flügeltüren, die ausgefeilte Fahrwerkstechnologie und die mutige Aerodynamik sprengten das in Krisenzeiten ohnehin begrenzte Budget. Stattdessen fanden einzelne Technologie-Elemente – vor allem der Turbomotor – später ihren Weg in die Serienmodelle von Dodge, wo 1984 ein turboaufgeladener 2,2-Liter debütierte. Die umfassende Vision hingegen blieb unerfüllt, was dem Turbo Charger einen beinahe mythischen Kultstatus unter Concept Cars einbrachte.
Showcar-Glanz und der große Auftritt bei der Auktion
Der Turbo Charger war weit mehr als ein Schaustück auf Messen. Bei den Auto Shows in Chicago und Detroit faszinierte er Fachwelt und Publikum gleichermaßen und ließ Dodge wieder als ernsten Player unter den Sportwagenherstellern aufleben – zumindest symbolisch. Seine Einsätze als Pace-Car im Indy-Zirkus stärkten die Performance-Legende. Der Prototyp erstrahlte zunächst in auffälliger Silber-Rot-Lackierung, wurde später auf Silber-Blau mit grauem Sportinterieur umgestaltet. Markant waren SVI-Felgen im Dreiteiler-Design sowie das charakteristische Dach-Blinklicht, das den Rennsportanspruch unterstrich.
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Letzter Akt: Auktion und Vermächtnis
Durch die Schließung des Klairmont Kollections Automotive Museum in Chicago werden sämtliche Fahrzeuge des Hauses veräußert, darunter auch dieses geschichtsträchtige Konzeptfahrzeug. Der Turbo Charger wird am 21. September 2025 ohne Reservierung auf der Mecum-Auktion „Larry's Legacy“ versteigert – zusammen mit beinahe 300 weiteren Sammlerautos und über 1.000 Road-Art-Stücken.
Vor dem endgültigen Museumsende gibt es am 13. und 14. September die Chance, die Sammlung – und damit auch den Turbo Charger – ein letztes Mal zu bestaunen. Der Tod des Museumsgründers Larry Klairmont im Jahr 2020 sowie die enormen Unterhaltskosten seltener Fahrzeuge läuten das Ende dieser legendären Sammlung ein.
Vergleich und Einfluss: Wegbereiter für Dodges Zukunft
Auch ohne Serienfertigung beeinflusste das Turbo Charger-Konzept nachfolgende Dodge-Modelle durch den gestärkten Fokus auf Turbotechnologie und aerodynamisches Designmaß. Als mutiges „Was wäre wenn“-Fahrzeug symbolisiert es das Potenzial des amerikanischen Supersportwagens. Für Sammler, Oldtimerfans und Liebhaber spektakulärer Konzeptstudien ist der Erwerb des Turbo Charger nicht nur ein Kauf, sondern die Übernahme einer Ikone, die auch 40 Jahre später noch Fantasien beflügelt.
Verpassen Sie nicht die wohl einmalige Gelegenheit, eines der legendärsten – und geheimnisvollsten – Concept Cars von Dodge zu besitzen. Dieser Mix aus Design, Technik und Rennleidenschaft war seiner Zeit wahrhaftig voraus.
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Quelle: autoevolution
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