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Spoilerwarnung: Im Folgenden werden zentrale Wendungen von And Just Like That, Staffel 3, Folge 11 ("Forget About the Boy") verraten.
Überblick — Die Neuauflage schließt einen Kreis
Die vorletzte Episode von And Just Like That bietet ein unerwartetes Gefühl der Wiederholung: Erneut muss sich Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker) der gleichen redaktionellen Kritik stellen, die ihr bereits zu Beginn des Revivals begegnete. In Staffel 3, Folge 11 beendet Carrie einen historischen Roman und präsentiert ihn ihrer Verlegerin – nur um zu hören, das Ende sei zu düster. Diese Szene erinnert an die frühere Situation, als Carries schonungsloses Memoir "Loved and Lost" über den Tod von Mr. Big nach einem versöhnlicheren Schluss verlangte. Zuschauer, die Carries Entwicklung seit Sex and the City verfolgt haben, empfinden diese Wiederholung teils als frustrierend, teils als inhaltlich passend.

Handlungszusammenfassung — der Roman, die Lektorin und das geforderte Nachwort
In "Forget About the Boy" vollendet Carrie einen historischen Erstling, in dem eine Frau des 19. Jahrhunderts Liebeskummer und Verlust verarbeitet. Lektorin Amanda (Ashlie Atkinson) ist vom Schreibstil begeistert, stößt sich jedoch am Schlussbild: Die Protagonistin, bekannt als "die Frau", sitzt nach dem Tod ihres Geliebten allein im Garten. Obwohl Amanda die Sprache lobt, warnt sie, das Ende wirke auf ein Publikum aus dieser Epoche zu tragisch. Sie rät Carrie, mittels eines Nachworts die düstere Note aufzuhellen und das Werk zugänglicher zu machen.
Zurück in New York vertraut sich Carrie ihren langjährigen Weggefährtinnen Charlotte (Kristin Davis) und Miranda (Cynthia Nixon) an. Obwohl die Schriftstellerin das kompromisslose Ende bevorzugt, gesteht sie, aus Angst vor kommerziellen Nachteilen – etwa der Stigmatisierung als Ramschliteratur – nachgeben zu wollen. Schließlich folgt sie der Bitte und verfasst das Nachwort, so wie sie bereits in vorangegangenen Momenten künstlerische Integrität gegen Markterfordernisse abwägte.
Parallelen zur ersten Staffel
Fans werden sich an das Pendant aus Staffel 1 erinnern: Nach Mr. Bigs Tod schrieb Carrie ein Memoir voller Offenheit. Amanda schätzte die Aufrichtigkeit, empfand das Manuskript aber als "gnadenlos" und empfahl einen versöhnlicheren Schlussteil, um die Leser nicht zu verstören. Um neue Hoffnung einzubringen, sollte Carrie sogar wieder mit dem Dating beginnen – was sie daraufhin, zwischen Trauer und Neuanfang, tatsächlich tat. Nun, da die Redakteurin erneut ein Nachwort verlangt, schwingt dieselbe Frage mit, ob Carries Stimme dem Mainstream angepasst wird.

Cast und Schlüsselfiguren
- Sarah Jessica Parker – Carrie Bradshaw (Hauptfigur)
- Kristin Davis — Charlotte York
- Cynthia Nixon — Miranda Hobbes
- John Corbett — Aidan Shaw (Carries alte Liebe aus dem Ursprung)
- Johnathan Cake — Duncan Reeves (Mitwirkender und Carries Kollege im Revival)
- Ashlie Atkinson — Amanda (Carries Lektorin)
- Chris Noth — Mr. Big (mittels Carries Memoir thematisiert)
- Jon Tenney, Nicole Ari Parker — präsente Nebendarsteller, die Carries Leben nach Mr. Big begleiten
Die Serie wird weiterhin von der kreativen Mannschaft um den Sex and the City-Kosmos für HBO Max produziert, Michael Patrick King gilt dabei als Hauptverantwortlicher für den Look und Ton. New York City ist und bleibt auch in der Neuauflage identitätsstiftendes Setting, während aufwändiges Setdesign, Mode und der soziale Puls Manhattans im Fokus stehen.
Produktionsnotizen — Storytelling, Atmosphäre und Rückkehr zu bekannten Motiven
And Just Like That wandelt geschickt zwischen fortlaufendem Beziehungsdrama und schillernder Gesellschaftsanalyse zu Themen wie moderne Partnerschaften und Älterwerden. Dass Carrie diesmal einen Roman statt eines reinen autobiografischen Textes schreibt, sorgt zwar für eine zusätzliche erzählerische Ebene, der redaktionelle Druck auf ein "verträglicheres" Ende enthüllt jedoch die altbekannte Spannung zwischen Wahrheit und Markttauglichkeit. Szenisch setzt man auf detailreiche Interieurs für Gespräche mit Amanda und schwelgerische Außenaufnahmen, während Carrie nachdenkt. Die Kostüme und das Design unterstreichen einmal mehr ihren Status als Modeikone; das Redaktionsthema erlaubt dem Autorenteam, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Druck aus verschiedenen Richtungen zu beleuchten.
Rezeption und Resonanz — Was die Zuschauerschaft spaltet
Die wiederholte Storyline sorgt unter Kritikern und Fans für geteilte Meinungen. Viele schätzen die Stringenz: Motive wie Trauer, Selbstfindung und der Balanceakt einer beruflichen Frau im Kommerz fließen durch die komplette Serie. Andere wiederum hätten sich originellere Entwicklungen gewünscht und werfen der Staffel vor, zu sehr auf Bekanntes zu setzen, statt Neues zu wagen.
Großes Lob gilt vor allem Sarah Jessica Parkers feinfühligem Spiel, das sowohl Carries Schmerz als auch ihre künstlerische Zerrissenheit glaubhaft transportiert. Kritische Stimmen beklagen, dass das erneute Fordern eines Nachworts die erzählerische Spannung mindere und treue Fans eher unterfordert als überrascht.
Persönliche Einschätzung — Wiederholung als Erzählelement und kein reines Aufkochen
Aus Sicht von Serienliebhabern und Kritiker:innen kann man das Thema wiederholter Lektoratswünsche unterschiedlich deuten. Einerseits besteht die Gefahr, dramatische Wirkung vorhergehender Folgen zu entkräften. Andererseits wirkt der erneute Konflikt wie ein bewusst gesetztes Leitmotiv: Immer wieder wird Carrie von denselben institutionalisierten Erwartungshaltungen eingeholt, die Frauenrollen auf eine "verdauliche" Weise erzählt wissen wollen – ganz gleich, ob es um eine Witwe aus dem 19. Jahrhundert oder eine moderne Frau in New York geht.
Gerade dieser redaktionelle Druck rückt Carries Entwicklung in ein neues Licht. Bei jeder Aufforderung, das Ende "glücklicher" zu gestalten, ringt sie mit der eigenen Authentizität, ohne ihre Karriere aus dem Blick zu verlieren. Das hinzugefügte Nachwort in "Forget About the Boy" erscheint weniger als Schwäche, sondern vielmehr als durchdachte Anpassung – ein Kompromiss, um die eigene Geschichte publik zu machen, ohne sie komplett zu verwässern.

Was das Nachwort für das Serienfinale andeuten könnte
Im fiktiven Nachwort bleibt der weitere Weg der Protagonistin nach dem Verlust offen: Sie ist alleinstehend, neugierig – vielleicht interessiert an einem "attraktiven Witwer", muss sich aber nicht zwangsläufig wieder auf die Liebe stürzen. Diese Offenheit könnte als Hinweis auf Carries eigene Zukunft gelesen werden: Ihre weitere Entwicklung scheint nicht unbedingt von einer neuen Beziehung bestimmt, sondern vielmehr von persönlicher Unabhängigkeit und Selbstentdeckung bestimmt zu werden.
Warum das für Sex and the City-Fans und Serieninteressierte relevant ist
Die Wahl dieser Erzählstruktur konfrontiert das Publikum mit der Frage, ob Vertrautes Geborgenheit bietet oder kreative Einfallslosigkeit bedeutet. Wer sich für moderne Fernsehserien, Literatur oder die Darstellung weiblicher Trauer- und Selbstfindungsprozesse interessiert, kann tiefer reflektieren, wie Frauenfiguren im TV präsentiert werden und wie sehr ihre Wege von äußeren Erwartungen – sei es seitens Redaktionen, Sender oder Fans – mitgeprägt sind.
Unabhängig davon, ob einen die wiederholte Szene zufriedenstellt oder ermüdet, sie markiert eine weitere Etappe in Carrie Bradshaws langem Werdegang: Die Serie bleibt eine Chronik über Liebe, Abschied, berufliche Kompromisse und den schwierigen Prozess, der eigenen Stimme auch unter Marktdruck treu zu bleiben.
Quelle: screenrant
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