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Sportliche Betätigung, Myokine und Brustkrebs: Ein zusammenfassender Überblick
Neue experimentelle Erkenntnisse legen nahe, dass bereits eine einzige, gezielte Trainingseinheit zu einem kurzzeitigen Anstieg von muskelbürtigen Signalproteinen, sogenannten Myokinen, im Blut führen kann. Diese Proteine sind in der Lage, das Wachstum von Brustkrebszellen in Labortests zu hemmen. Die Untersuchung involvierte 32 Frauen, die Brustkrebs überstanden hatten, und verglich die unmittelbaren biochemischen Auswirkungen eines 45-minütigen Krafttrainings mit denen einer 45-minütigen hochintensiven Intervallbelastung (HIIT). Blutproben, die vor, direkt nach und 30 Minuten nach den jeweiligen Belastungen entnommen wurden, zeigten einen vorübergehenden Anstieg mehrerer wichtiger Myokine, insbesondere Decorin, Interleukin-6 (IL-6) und SPARC.
Studienaufbau und Versuchsdetails
Die Teilnehmerinnen wurden zufällig einer von zwei Trainingsmethoden zugeordnet. Die Krafttrainingsgruppe absolvierte komplexe Mehrgelenksübungen wie Bankdrücken, Rudern im Sitzen, Schulterdrücken, Latziehen, Beinpresse, Beinstrecker, Beinbeuger und Ausfallschritte. Die HIIT-Gruppe absolvierte kurze und intensive Belastungsintervalle auf Fahrradergometern, Laufbändern, Rudergeräten und Crosstrainern. Das zu drei Zeitpunkten gewonnene Plasma (vor dem Training, unmittelbar danach und 30 Minuten später) wurde auf Brustkrebs-Zellkulturen in vitro appliziert, um den direkten Einfluss auf das Tumorzellwachstum zu analysieren.
Untersuchte Biomarker
Im Fokus der Forscher standen Proteine, die während der Muskelkontraktion sezerniert werden. Diese Myokine sind an Stoffwechselprozessen, Entzündungsgeschehen und Gewebeanpassung beteiligt. In sämtlichen Trainingsgruppen kam es zu einem akuten Anstieg der Werte für Decorin, IL-6 und SPARC. Bei Zugabe des nach dem Training gewonnenen Plasmas zu Brustkrebszelllinien reduzierte sich das Tumorwachstum im Laborversuch um bis zu 30%.
Zentrale Ergebnisse und wissenschaftlicher Zusammenhang
Eine besonders bedeutsame Beobachtung war, dass das durch Training veränderte Plasma auch auf Zellen des triple-negativen Brustkrebses wirkte – also auf Tumore, die keine Östrogen-, Progesteron- oder HER2-Rezeptoren besitzen und daher üblicherweise nicht auf hormonelle Reize reagieren. Da diese Zelltypen durch das myokinhaltige Plasma gehemmt wurden, scheint der Effekt unabhängig von hormonellen Schwankungen und stattdessen auf direktem chemischen Signalaustausch der Muskelproteine zu beruhen.
Der leitende Forscher Francesco Bettariga (Edith Cowan University) und sein Team unterstreichen, dass sowohl Krafttraining als auch HIIT einen sofortigen Anstieg antitumoraler Myokine auslösen konnten. Dies könnte Teil biologischer Steuerungsmechanismen sein, die die Krebsentwicklung beeinflussen. Die Ergebnisse sprechen dafür, Bewegung als zusätzliche Maßnahme in der Krebsnachsorge zu berücksichtigen. Gleichzeitig betonen die Autoren, dass sich die klinische Relevanz hinsichtlich des Langzeit-Rückfallrisikos bei Brustkrebs-Überlebenden erst durch Langzeitstudien abschließend bewerten lässt.
Perspektiven, Methodik und zukünftige Entwicklungen
Diese Resultate reihen sich in eine zunehmend umfangreiche Forschungslandschaft ein, die Bewegung, Myokine und Tumorbiologie miteinander in Beziehung setzt. Künftige Studien sollten herausarbeiten, welche einzelnen Myokine tatsächlich für die tumorhemmende Wirkung verantwortlich sind, deren Zielmoleküle kartieren und untersuchen, ob wiederholte Trainingseinheiten einen beständigen Schutz vor Krebsrezidiven bieten. Klinische Studien, die Bewegung gezielt mit onkologischen Standardtherapien kombinieren, könnten Effekte auf das Rückfallrisiko, das Immunsystem, Entzündungswerte sowie die Lebensqualität der Patientinnen evaluieren.
Fazit
Kurzzeitige Einheiten aus Kraft- oder Intervalltraining bei Brustkrebsüberlebenden führten zu einem nachweisbaren Anstieg zirkulierender Myokine – Decorin, IL-6 und SPARC – die in Labormodellen das Tumorwachstum hemmten. Die Befunde stützen die Annahme, dass Bewegung eine chemische Kommunikation zwischen Muskel und Tumor in Gang setzt, die potenziell schützend wirken kann. Trotz vielversprechender Laborergebnisse bleibt abzuwarten, ob regelmäßiges Training langfristig das Rückfallrisiko senken oder das Überleben bei Brustkrebspatientinnen verbessern kann; dies muss durch weitere klinische Studien geprüft werden.
Quelle: link.springer
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